Dossiers >> InDesign >> Fachartikel >> EPUBs mit festem Layout � Teil 2
Artikel als PDF

EPUBs mit festem Layout � Teil 2

Seit Sommer 2014 lassen sich über InDesign EPUBs in einer festen Darstellung erstellen und exportieren. Ein erster Versuch damit scheint einfach und die Resultate ansprechend. Doch was ist möglich und wo liegen die Grenzen von EPUBs in festem Layout?

LAURENT GACHNANG Wie ein InDesign-Dokument am besten vorbereitet wird, beschreibt Beat Kipfer im ersten Artikel dieser zweiteiligen Serie zu EPUB mit festem Layout in Publisher 4-15 auf Seite 22.

Bei der EPUB-Erstellung aus In­Design kann man die Arbeitsschritte grob in zwei Bereiche unterteilen: Nachdem die Inhalte im InDesign für die digitale Publikation vorbereitet sind, folgen der Export sowie die Nachbearbeitung in der EPUB-Datei selbst.

Export und Einstellungen

Anders als beim dynamischen Layout von EPUBs wird beim festen Layout die Darstellung seitenidentisch übernommen. Entsprechend sind weniger Bereinigungen im InDesign-Dokument selbst vorzunehmen, als dies bei EPUB 2.0 und 3.0 «reflowable» notwendig ist. Bei den allgemeinen Exporteinstellungen wird zudem die Version EPUB 3.0 vorausgesetzt, da es das Fixed-Layout-EPUB nur in der neueren Version gibt. Im gleichen Bereich lässt sich dem EPUB ein externes Coverbild hinzufügen – dies ist etwa dann ideal, wenn für den Umschlag zusätzliche Dokumente existieren, wie das in Druckanwendungen häufig der Fall ist.

Ebenfalls empfiehlt es sich, ein über den Bereich Layout generiertes Inhaltsverzeichnis anzufügen. Dieses wird auch als so genanntes technisches Inhaltsverzeichnis mit einem separaten Button im Reader angezeigt und abgerufen. Für die Auslieferung in den Handel ist dieses zwingend und entspricht den Codierungsstandards, welche das International Digital Publishing Forum (IDPF) herausgibt. Das EPUB würde jedoch auch ohne funktionieren.

In den Exporteinstellungen lassen sich zudem dateiübergreifend Grundsätze zur Konvertierung vornehmen. In diesem zweiten Bereich empfiehlt es sich, 150 ppi als Auflösung zu wählen. Eine Auflösung von 300 ppi können die mobile Lesegeräte aktuell gar nicht ausreichend wiedergeben, auch wenn die Hersteller etwas anderes behaupten. Je nach Grösse der resultierenden Datei sind zudem Komprimierungen an Bildformat und -qualität angebracht.

Ein zusätzliches CSS, das die Ge­staltung von InDesign generiert und identisch übernommen wird, ist bei einem festen Layout nicht notwendig. Bei einem dynamischen Layout ist ein eigenes CSS hingegen sehr zu empfehlen, da die Formatierungen via InDesign direkt im HTML nicht nur unschön, sondern auch schlecht für die Performance und das Dateivolumen sind.

Eine weitere Funktion in den Exporteinstellungen ist der Bereich Anzeige-Apps, in dem Applikationen vordefinieren werden, die das erstellte Produkt direkt zur Ansicht und zu Testzwecken öffnen.

EPUBs testen

Wenn die Datei dann abgespeichert wurde, sollte sie zwingend auf zwei Arten kontrolliert werden. Als erstes liegt die visuelle Kontrolle nahe. Dazu sollte die Datei nicht nur auf dem Rechner und nicht nur in einem Leseumfeld angesehen, sondern stichprobenartig mit unterschiedlicher Soft- und Hardware geprüft werden. Für das EPUB im festen Layout eignet sich die Ansicht über Apples iBooks, und zwar sowohl am Desktop als auch auf dem iPad und iPhone. Zusätzlich kann man die feste Darstellung auch auf dem browserbasierten Reader namens Readium oder in Google Play anschauen. Weiter gibt es Software wie Kobo oder GitdenReader. Das Nutzererlebnis wird immer etwas unterschiedlich sein, was sich aber kaum ändern lässt. Wichtig ist die Kontrolle der seitenidentischen Darstellung und die korrekte Platzierung der Elemente und Objekte.

Nach der visuellen Kontrolle emp­fiehlt sich auch ein Blick unter die Motorhaube, das heisst, die Kontrolle der technischen Aspekte wie etwa eine saubere Programmierung. Hierzu gibt es Hilfsmittel und Prüfwerkzeuge. Es ist darauf zu achten, dass diese auch mit EPUB 3.0 und dem festen Layout kompatibel sind. Empfehlenswert sind etwa der pagina EPUB-Checker oder der EPUB-Validator des IDPF (validator.idpf.org), welche aufgrund der Nähe zur Standards herausgebenden Institution auch immer den aktuellsten Normen entsprechen.

Bei der Überprüfung werden diese Hilfsmittel zeilen- und zeichengenau Fehlermeldungen ausgeben, welche für eine erfolgreiche Auslieferung in den Handel behoben werden müssen. Im Idealfall erscheint die Meldung, dass keine Fehler gefunden wurden, gleich von Beginn weg, andernfalls gilt es die Fehlermeldungen im Code auszumerzen, bis keine mehr vorhanden sind. Die Verkaufsplattformen für E-Books nutzen die gleichen Kontrollmechanismen und lehnen fehlerhafte EPUBs konsequent ab.

Fehler beheben

Zum Beheben von Fehlern, welche sich nicht im InDesign-Dokument ändern lassen, muss die EPUB-Datei geöffnet werden. Dies macht man idealerweise, indem die Dateiendung .epub in .zip geändert wird. Daraufhin kann man das Zip mit einer Software zum Entpacken öffnen. In Apples Betriebssystem sollte dazu eine zusätzliche Lösung wie Stuffit installiert werden, da das standardmässig installierte Archivierungsprogramm nicht damit umgehen kann. Noch eleganter ist beispielsweise die Lösung BBEdit, welche EPUB-Dateien direkt öffnen kann und eine schnelle Bearbeitung vereinfacht.

Die Bearbeitung im Code ohne Einbezug von Fehleranweisungen ist, wie bei einem dynamischen Layout eines EPUBs, etwas mühsamer, da zur Kontrolle der Anpassungen die Datei erst wieder verpackt werden muss. Im Code selbst ist die Orientierung zudem erschwert, weil gerade komplexere Gestaltungen in viele Einzelteile der Codierung zerlegt werden und die erscheinen nicht immer logisch.

Zum Verpacken eines Ordners in eine EPUB-Datei eignet sich die Lösung eCanCrusher, welche als Open-Source-Anwendung im Internet zur Verfügung steht. Bearbeitungen innerhalb der EPUB-Datei sollten nur mit minimalen HTML- und CSS-Kenntnissen vorge-nommen werden. Wer etwas Kenntnisse mit Webentwicklung hat, dürfte sich innerhalb des einfachen Aufbaus und mit dem simplen Code schnell zurechtfinden.

Einsatz, Vertrieb und Handel

Warum braucht es überhaupt ein EPUB mit festem Layout, es gibt doch bereits PDF? Dieser Frage begegnet man im Kundenkontakt häufig – sie lässt sich ohne Ausblick auf die Rezeptions- und Bezugskanäle von E-Books nicht einfach beantworten. Die dem dynamischen Layout gegenüber visuell ansprechendere Lösung hebt sich vom PDF aufgrund des HTML-Aufbaus ab und ermöglicht dadurch individuellere Anreicherungen und Zusatzprogrammierungen. Entsprechend ist das Fixed-Layout-EPUB gerade für Kinderbücher, Comics, Kochbücher, wissenschaftliche Publikationen mit dem Anspruch an seitenidentische Darstellung geeignet. Dazu gehören auch Fotobücher und andere bild- und grafiklastige Veröffentlichungen.

Wer nun E-Books im Handel verkaufen möchte, kommt an Anbietern wie Apple nur schwer vorbei. Einige Plattformen bieten keine PDFs zum Kauf an und nehmen nur EPUBs entgegen, so etwa die aus einem etwas weiter entwickelten E-Book-Markt agierenden angelsächsischen Anbieter oder der bereits erwähnte Konzern aus Cupertino.

Auf der anderen Seite gibt es aber relevante Plattformen, welche mit dem EPUB 3.0 noch nicht umgehen können, weshalb sich bei der Erstellung eines EPUBs in fester Darstellung oft auch zusätzlich die Herstellung eines für digitale Lesegeräte optimierten PDFs empfiehlt. Zu diesen Anbietern zählen hauptsächlich die aus dem deutschsprachigen Buchhandel gewachsenen Onlineplattformen. Den Spagat zur Erreichung der grösstmöglichen Reichweite vollzieht ein Herausgeber, indem er zusätzlich noch das Kindle-Format von Amazon berücksichtigt und die entsprechenden Daten erstellt. Das Umfeld von Amazon bietet übrigens auch die Möglichkeit, das Kindle-Format im festen Layout herzustellen und anzubieten. Leider ist dies zum jetzigen Zeitpunkt sehr aufwändig und sollte über Zusatzlösungen abseits von InDesign wie etwa Magicepub umgesetzt werden. Für InDesign fehlt bis zum heutigen Zeitpunkt ein Plug-in, das es etwa für das Mobipocket/Kindle-Format in dynamischer Darstellung gab.

Grundsätzlich drückt sich erst bei Fragen rund um den Vertrieb die Heterogenität des Marktes aus; eine Frage der Form des E-Books ist immer auch eine Frage der Bedürfnisse des Publizierenden. Hierfür begegnet man regelmässig dem Thema medienneutrale Produktion, welche etwa mit dem Ausspielen von Fixed-Layout-EPUBs noch Schwierigkeiten hat. Der Markt ist erst wenige Jahre alt und wird sich in den nächsten Jahren in Sachen E-Book-Format, Bezugs­kanäle sowie Leseumfeld (Soft- und Hardware) noch weiter konsolidieren. Unter dem Strich dürfte dies dem Anwender zugute kommen.

Tageskurs

Unter dem Titel «E-Books mit ­InDesign CC erstellen» findet am Donnerstag, 10. Dezember 2015 am PubliCollege Burgdorf ein Tageskurs mit Laurent Gachnang statt.

Der Kurs befähigt Sie zur Realisation eines kompletten E-Book-Projekts aus InDesign mit den grundlegen­den Layoutelementen und mit Anreicherung von multimedialen Elementen.

Weitere Details finden Sie im Kursangebot:

www.publicollege.ch

Die Autoren

Beat Kipfer, Ausbilder FA, PubliCollege GmbH,3400 BurgdorfKurse und Seminare, Firmenschulungen und Supportfür Publishing und Prepress; Fachlehrer und Kursleiter an den Schulen für Gestaltung in Aarau, Bern und Zürich.

www.publicollege.ch

Laurent Gachnang, Geschäftsführer mbassador GmbH, Baselmbassador aggregiert Inhalte für den digitalen Handel und übernimmtfür Buch- und Zeitschriftenverlage, ­Film­produzenten sowie Musiklabels die ­Auf­bereitung ihrer Werke für die digitalen Verkaufskanäle. 

www.mbassador.ch

Artikel als PDF