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InDesign �customizen�

Vor der Autofahrt stellen Sie den Sitz optimal ein. Optimieren Sie vor der Arbeit auch die Einstellungen von InDesign? – Denn damit verbringen Sie mehr Zeit als im Auto …

Haeme Ulrich Profi-InDesigner stellen eigene Anforderungen an die Oberfläche und die Kurzbefehle. Dies, weil sich deren Arbeitsweise oft recht stark von derjenigen der Gelegenheitsanwender unterscheidet. Denn in InDesign führen immer unterschiedliche Wege zum gleichen Ziel. Zum Glück lässt sich InDesign gut an die eigenen Bedürfnisse anpassen!

Customizing, die Optionen

Grundsätzlich können Anwender an drei Orten selbst Hand anlegen: bei den Menübefehlen, bei den Tastaturbefehlen und bei den Arbeitsbereichen (Anordnung der Bedienfelder und ihren Optionen).

Menübefehle

Seit der Version CS3 lassen sich die Menübefehle anpassen. Es lassen sich Menübefehle gezielt ausblenden oder farbig hinterlegen. Aus didaktischer Sicht finde ich es kritisch, Menübefehle auszublenden. Anwender lernen so keine neuen Funktionen kennen. Zudem sehen beim Support per Telefon plötzlich alle InDesigns anders aus. Allerdings ist einfach zu erkennen, wenn Befehle ausgeblendet sind: Unten im entsprechenden Menü steht dann Alle Menübefehle einblenden. Klickt man dort darauf, zeigt InDesign die ausgeblendeten Befehle temporär wieder an. Zu mühsam? Wenn Sie das Menü öffnen und dabei die Befehls­taste (Windows: Ctrl-Taste) gedrückt halten, zeigt InDesign immer alle Befehle an. Schliesslich kann man die gesamten Menüs auch über Fenster > Arbeitsbereich > Menüs zurücksetzen wieder zurückholen.

Wann kann ein Anpassen der Menü­befehle trotzdem sinnvoll sein? Seit InDesign auf dem Markt ist, kam der Wunsch auf, ein «InDesign light» zu haben. Eine Version für Redaktoren, die mehr wollen als InCopy, aber mit dem Funktionsumfang von InDesign überfordert sind. Oder für Leute im semiprofessionellen Bereich, die gemerkt haben, dass Word doch kein Layoutprogramm ist.

So funktioniert das Anpassen der Menü­befehle: Bearbeiten > Menüs. Hier können Sie sich mit Speichern unter… einen eigenen Menüsatz erstellen. In der Praxis braucht man dies selten, weil die Menübefehle auch ohne eigenen Satz in den Arbeitsbereich gesichert werden. Man ändert einfach den Menüsatz InDesign-Standardeinstellungen ab und übernimmt diesen so in den eigenen Arbeitsbereich.

Im Beispiel habe ich trotzdem einen eigenen Satz angelegt. Bei Anwendungsmenübefehl wählt man das Menü, das abgeändert werden soll. In meinem Fall habe ich das Datei-Menü geöffnet. Ich habe dann Öffnen… ausgewählt und in der Spalte Farbe auf Rot gestellt. Jetzt ist dieser Menüeintrag rot hinterlegt. Hingegen habe ich Durchsuchen… ausgeblendet, in dem ich das Augensymbol abgewählt habe.

Eigene Shortcuts

Die Definition eigener Tastaturkurzbefehle (Shortcuts) ist für die Praxis eine grosse Hilfe. Gehen Sie hierfür über Bearbeiten > Tastaturbefehle in den entsprechenden Dialog. Unter Satz werden Sets von Tastaturbefehlen angezeigt. Die in eckiger Klammer kommen von Adobe und können nicht abgeändert werden. Eine schlechte Idee für Umsteiger wäre, hier auf die QuarkXpress 4.0-Befehle umzustellen. Besser, man gewöhnt sich gleich an die «Adobe-Art» und wird dadurch auch in Illustrator und Photoshop schneller.

Um eigene Kurzbefehle zu definieren, müssen Sie über Neuer Satz… einen eigenen Satz anlegen. Lassen Sie diesen auf [Standard] basieren, erhalten Sie eine Kopie der ursprünglichen Kurzbefehle, die Sie dann Ihren Bedürfnissen anpassen können.

Als Beispiel legen wir den schwarzen Auswahlpfeil auf F1. Vergewissern Sie sich, dass Sie oben bei Satz: ihren neu angelegten Satz aktiviert haben. Bei Produktbereich: wählen Sie jeweils das Menü mit dem Befehl, dem Sie einen eigenen Kurzbefehl zuweisen wollen. In unserem Beispiel handelt es sich nun um ein Werkzeug, also wählen wir als Produktbereich Werkzeuge. Unter Befehle: erscheinen jetzt in alphabetischer Reihenfolge alle Werkzeuge, also auch das Auswahl-Werkzeug. Klicken Sie dieses an, sehen Sie bei aktuelle Tastaturbefehle, dass bereits zwei Kurzbefehle zugewiesen sind! V als Standard, also ein Kurzbefehl, der immer funktioniert. Die Escape-Taste nur dann, wenn der Textcursor aktiv ist. Setzen Sie den Cursor nun in Neuer Tastaturbefehl: und drücken Sie auf der Tastatur den Befehl, den Sie gerne zuweisen möchten. Ich setze den Auswahlpfeil gerne auf F1. Bei Kontext: wählen Sie Standard, damit der neue Kurzbefehl immer aktiv ist. Jetzt kommt das Schwierigste: Vergessen Sie abschliessend nicht, auf Zuweisen zu drücken! Nur so merkt sich InDesign den neuen Befehl.

Sinnvolle Shortcuts

Klar kann man keine Pauschalvorgaben über sinnvolle Kurzbefehle machen. Es ist ja genau der persönliche Geschmack, der hier entscheidet.

Aus zahlreichen Trainings mit InDesign-Profis kann ich folgende Tipps für eigene Kurzbefehle mitgeben:

  • Schwarzer Pfeil (Auswahl) auf F1
  • Weisser Pfeil (Direktauswahl) auf F2
  • Dem eigenen Arbeitsbereich einen Kurzbefehl zuweisen
  • Häufig benutzten Skripts einen Kurzbefehl zuweisen (die Skripts haben in der Kurzbefehldefinition einen eigenen Produktbereich)
  • Oberflächen sichern

    Die Oberflächen heissen bei Adobe Arbeitsbereiche. Darin werden Sichtbarkeit, Position und Optionen der Bedienfelder (Paletten) und auf Wunsch die im Moment aktiven Menüeinstellungen aufgenommen.

    Adobe liefert mit InDesign CS3 vier Arbeitsbereiche mit. Zu finden unter Fenster > Arbeitsbereich. Hilfreich ist hier vor allem Standard. Das ist eine gute Basis, eine eigene Oberfläche anzulegen.

    Eigene Arbeitsbereiche erstellt man über Fenster > Arbeitsbereich > Arbeitsbereich speichern…, wodurch die aktuellen Einstellungen als neuer Arbeitsbereich übernommen werden. Im Dialog zum Sichern des Arbeitsbereichs kann angegeben werden, was alles erfasst werden soll: Bedienfeldpositionen (wobei hier die Optionen und die Sichtbarkeit auch dazugehören) und die Menüanpassung.

    Profioberfläche

    Welche Tipps aus der InDesign-Praxis gibt es für Arbeitsbereiche? Wie oben beschrieben, ist der Standard von Adobe sehr gut und auf die Bedürfnisse von Profis abgestimmt. Überflüssig finde ich in diesem Arbeitsbereich die beiden Bedienfelder Zeichen und Absatz. Diese können Sie einfach schlies­sen. Holen Sie nun die Bedienfeldoptionen aus dem Bedienfeldmenü der Seiten. Entfernen Sie dort im Bereich Seiten den Haken vor Vertikal anzeigen, wird das Bedienfeld horizontal mit Seiten aufgefüllt. Es stehen dann nicht nur maximal zwei Seiten nebeneinander. Brauchen Sie die Seitenvorschau im Bedienfeld nicht, können Sie die Symbolgrösse der Seiten sogar auf Sehr klein umstellen.

    Wechseln Sie jetzt in das Bedienfeldmenü der Farbfelder und wählen Sie dort die Option Name (klein). Im Bedienfeldmenü der Absatz- und Zeichenformate wählen Sie Kleine Bedienfeldreihen.

    Mit InDesign CS3 braucht man regelmässig das Ausrichten-Bedienfeld (die Smart Guides von CS4 schicken dieses Bedienfeld zum Teil in Pension). Dieses Bedienfeld öffnen Sie über Fenster > Objekt und Layout > Ausrichten. Packen Sie das Bedienfeld am Namen (Reiter oben im Feld) und ziehen Sie es unten an das Tabellen-Bedienfeld. Lassen Sie es los, wenn ein hellblauer, horizontaler Balken erscheint. Das Bedienfeld ist jetzt an der Seite angedockt. Die übrigen Bedienfelder, die mit Ausrichten geöffnet wurden, können Sie mit einem Klick in das Kreuz oben rechts wieder schliessen.

    Sichern Sie jetzt über Fenster > Arbeitsbereich > Arbeitsbereich speichern… die eben gemachten Einstellungen.

    Shortcut für Arbeitsbereich

    Der eigene Arbeitsbereich hat den Vorteil, dass man Bedienfelder nach Lust und Laune öffnen, schliessen, abreissen und verschieben kann. Hat man ein Chaos auf dem InDesign-Bildschirm, lädt man sich den eigenen Arbeitsbereich – schon herrscht wieder Ordnung. Da das Laden des Arbeitsbereichs künftig regelmässig geschieht, legt man sich dafür bis InDesign CS3 einen eigenen Shortcut an (für CS4 siehe letzten Abschnitt). Gehen Sie dazu wie vorn unter «Eigene Shortcuts» beschrieben vor. Die Arbeitsbereiche liegen übrigens im Produktbereich Fenster. Und dort als Arbeitsbereich: Arbeitsbereich laden. Insgesamt hat es dort fünfmal dieses Arbeitsbereich: Arbeitsbereich laden. Das oberste meint den obersten Arbeitsbereich unter Fenster > Arbeitsbereich, das zweitoberste den zweiten Arbeitsbereich … Ich weise meiner eigenen Oberfläche jeweils Alt+F1 zu.

    Voreinstellungen austauschen

    Menübefehle, Shortcuts und Arbeitsbereiche werden in den InDesign-Voreinstellungen als eigene Dateien abgesichert und stehen dort zum Sichern oder Weitergeben an andere Stationen zur Verfügung. Der schnellste Weg, in die InDesign-Voreinstellungen zu kommen (Mac und PC): Fenster > Automatisierung > Skripten. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf Benutzer und wählen Sie dann Im Finder anzeigen (unter Windows: Im Explorer anzeigen). Es ist nun das Verzeichnis Scripts Panel ausgewählt. Wechseln Sie im Dateisystem eine Ebene nach oben, sind Sie im Ordner Version 5.0. In diesem sind sämtliche in diesem Artikel beschriebenen Voreinstellungen gesichert. Bei InDesign Shortcut Sets sind die Kurzbefehle, bei Menüsätze die Menüeinstellungen und bei Workspaces die Arbeitsbereiche enthalten.

    Was ändert sich in der neuen Version?

    Die Arbeitsbereiche erscheinen nun auch in der neuen Application Bar und können dort sehr einfach ausgewählt werden. Neu setzt man Arbeitsbereiche nicht mehr zurück, indem man sie neu lädt. Dafür kann man den aktiven Arbeitsbereich resetten. Dies im Arbeitsbereichmenü in der Application Bar oder über Fenster > Arbeitsbereich. Natürlich lässt sich diesem Reset-Befehl ein eigener Shortcut zuweisen.

    Application Frame (graue Fläche hinter dem gesamten InDesign) und Application Bar lassen sich nicht über einen Arbeitsbereich ein- oder ausschalten.

    Genial ist der mit InDesign CS4 mitgelieferte Arbeitsbereich Advanced (wird noch übersetzt). Er entspricht beinahe dem, was ich jeweils an dem CS3-Standard noch abgeändert habe!

    Der Autor

    Haeme Ulrich, ulrich-media, ist Trainer und Berater für Adobe InDesign.

    ulrich-media ist bekannt für InDesign- und Photoshop-Wissen.

    www.ulrich-media.ch

    ulrich@ulrich-media.ch

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